Seit rund 3 Jahren ist It‘s Complicated Plattform und Community für Menschen in beratenden Berufen. Gegründet wurde sie von Therapeut:innen, die bereits seit 9 Jahren erfolgreiche Privatpraxen führen. Wir haben nicht nur einen super einfachen und trotzdem effektiven Fragebogen entwickelt, bei dem Klient:innen passende Therapeut:innen vorgeschlagen bekommen. Bei uns sind auch Inhouse-Psycholog:innen und Expert:innen beschäftigt, die Menschen persönlich dabei unterstützen, den oder die richtige Therapeut:in für sich zu finden. Durch diese Arbeit haben wir viel darüber gelernt, was Klient:innen wirklich suchen. Und dieses Wissen wiederum hilft den bei uns registrierten Therapeut:innen, Berater:innen und Coaches mehr relevante Kundenanfragen zu bekommen. Im folgenden Artikel zeigen wir dir, was du noch alles brauchst, damit deine Praxis wächst und gedeiht.
Erste Gedanken auf dem Weg zum Erfolg
Die meisten Therapeut:innen brauchen etwa 6 Monate, um eine Praxis aufzubauen, von der man halbwegs gut leben kann (vergleichbar etwa mit einem Teilzeit-Job). Manche brauchen länger, andere schaffen es schon nach einem oder zwei Monaten. Diese letzte Gruppe – nennen wir sie unsere „Shooting Stars“ – hat in kürzester Zeit eine gut laufende Praxis aufgebaut. Viele von ihnen führen inzwischen Wartelisten und nutzen die Plattform vor allem wegen ihrer Verwaltungstools und kaum mehr zur Neukundengewinnung.
Eine dieser Therapeut:innen ist Valentina. Wenn man Valentina kennenlernt, weiß man eigentlich sofort, warum sie so erfolgreich ist. Hey! Selbst ich möchte mir am liebsten einen Platz auf ihrer Warteliste sichern! Und deshalb habe ich sie nach ihren Erfolgsgeheimnissen gefragt.
„Ich glaube, was mir wirklich geholfen hat, ist meine Authentizität. Ich habe keine Angst, mich in meiner Praxis und in den Therapiesitzungen so zu zeigen, wie ich wirklich bin: gesellschaftspolitisch engagiert, queer und polyamor und immer interessiert an aktuellen Infos rund um soziale Themen wie ethnische Zugehörigkeit, Gender, Sexarbeit, Feminismus und so,“ sagt sie über sich selbst. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Klient:innen genau das suchen. Jemanden, der ihre Sorgen und Nöte kennt und ihnen mit viel Wissen im Hintergrund Empathie entgegen bringt, weil er oder sie eventuell sogar die gleichen Erfahrungen gemacht hat.“
Was für eine tolle Antwort, oder? Und darin steckt so vieles, was ich aus meiner eigenen Arbeit und etlichen Gesprächen mit erfolgreichen Kolleg:innen bestätigen kann. Im Folgenden habe ich dir einige Tipps und Empfehlungen zusammengestellt, die dir helfen, eine erfolgreiche Praxis aufzubauen.
Meine 6 Tipps für einen gelungenen Start:
1. Sei authentisch und nahbar
Die erste Eigenschaft, die bei den meisten erfolgreichen Profilen hervorsticht, ist Authentizität. Aber was bedeutet das konkret? Wie sieht eine authentische Präsentation aus?
Als erstes wirken z. B. Bilder authentisch, auf denen du locker und entspannt bist. Das macht dich nahbar (im Gegensatz zu gestellten, nicht natürlich wirkenden Bildern). Es spricht überhaupt nichts dagegen, professionelle Fotos machen zu lassen – im Gegenteil. Wichtig ist nur, dass du eine Fotografin oder einen Fotografen findest, bei der oder dem du dich wohlfühlst. Oder noch besser: Vielleicht hast du eine Freundin oder einen Freund, der oder die gute Porträts machen kann, die trotzdem professionell wirken.
Wir alle wollen auf Fotos gut aussehen, aber wichtig ist auch, dass Fotos natürlich und realistisch sind. Wenn du deine Fotos zu sehr nachbearbeitest oder zu viele Filter draufsetzt, dann kann es passieren, dass du unnahbar und distanziert wirkst. Außerdem kann es Klient:innen verunsichern, wenn du gar nicht aussiehst, wie das Bild, das sie auf deinem Profil gesehen haben. Vergiss nicht, bei einer Therapie geht es nicht darum, optisch was herzumachen, sondern darum, dass die Chemie zwischen dir und deinem Gegenüber passt. Das ist es nämlich, was die Entscheidung für oder gegen dich beeinflusst.
Es ist übrigens auch eine gute Idee, Bilder von deiner Praxis einzustellen. Potenzielle Klient:innen können sich dann vorher schon ein Bild machen, wie es bei dir aussieht und ob sie sich in diesem Setting wohlfühlen können. Das ist eine gute Vorbereitung und kann die Angst vor einer Therapie mindern. Schließlich vermittelt es ein Gefühl von Sicherheit, wenn man weiß, was einen erwartet.
Authentizität als Therapeut:in heißt letztendlich, das hervorzuheben, was dich ausmacht. Frage dich also, was du zu bieten hast und warum jemand gerade in deine Dienstleistungen investieren sollte. Wer bist du und was ist dir wichtig? Ist eine Therapie bei dir eher von tiefergehenden Gesprächen geprägt oder arbeitest du eher interaktiv und übungsbasiert?
Das bringt uns zum nächsten Punkt, der dir helfen soll, Erfolg aufzubauen: deine Profilbeschreibung, die möglichst viele (passende) Klient:innen ansprechen soll.
2. Stecke etwas (mehr) Arbeit in deine Profilbeschreibung
Es macht durchaus Sinn, dir etwas mehr Zeit für deinen Profiltext zu nehmen. Denn dieser Text sagt eine Menge über dich und deine Arbeit aus. Wenn potenzielle Klient:innen lesen können, wie du arbeitest, welchen Hintergrund und welche Erfahrungen du hast, wie eine normale Sitzung bei dir aussieht und welche Techniken und Methoden du einsetzt, dann können sie besser abschätzen, ob ihr gut zusammenpasst. Das wiederum sorgt langfristig für beständigere Klient:innen und bessere Allianzen.
Verfasse deine Beschreibung so, dass man sich gut vorstellen kann, wie es ist, eine Therapie bei dir zu machen. Wer bist du? Was macht dich aus? Welche Ansätze und Methoden nutzt du? Wie sieht eine Sitzung normalerweise bei dir aus?
Aber natürlich musst du nicht alles von dir preisgeben. Wie viel du von dir und deinem Background erzählen möchtest, entscheidest du natürlich selbst. Oft ist das auch abhängig von der Therapieform und deinen eigenen Werten. Manchen Leuten fällt es leicht, ihre politische Meinung, Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung und persönliche Erfahrungen mit anderen zu teilen. Andere mögen es nicht, sich so offenherzig zu zeigen. Beides ist völlig in Ordnung. Und auch wenn andere ganz offen persönliche Informationen weitergeben und nicht nur ihren Aus- und Weiterbildungsstand teilen, bedeutet das nicht, dass du das auch musst. Das Wichtigste ist, dass du dir selbst treu bleibst.

3. Keine Angst vor Werbung – aber übertreiben ist auch keine Lösung
Die meisten Mitglieder von It‘s Complicated, die viele Klientenanfragen bekommen, haben ihre It‘s Complicated-Profile fleißig auf ihren Social-Media-Kanälen geteilt. Und natürlich haben sie ihre Stellenbezeichnung (z. B. psychologische Berater:in bei It‘s Complicated) auch in ihren LinkedIn-Profilen eingetragen.
Eine weitere nicht aggressive und einfache Werbestrategie ist es, die Social-Media-Widgets im Dashboard deines It‘s Complicated-Profils zu nutzen. Hier stehen dir eine Reihe von Einbettungen zur Verfügung, die du in deiner E-Mail-Signatur, auf deiner Website oder in deinen Social-Media-Kanälen nutzen kannst. Du kannst natürlich auch einfach einen Hyperlink in deine Mails einbauen, über den deine Kontakte auf dein It‘s Complicated-Profil gelangen. Aber das Schöne an Widgets ist, dass sie bei korrektem Einsatz fast wie eine Art Rund-um-die-Uhr-Büroassistent fungieren können.
Social Media ist ein wichtiges Thema. Aber es geht auch anders. Das zeigt Kevin Monaghan. Kevin ist Therapeut und ebenfalls Mitglied bei It‘s Complicated. Ansässig in Frankfurt, ist er der lebende Beweis, dass es auch heute noch möglich ist, eine erfolgreiche Praxis aufzubauen, ohne auf Social Media aktiv zu sein. In diesem Artikel erzählt er uns, wie er seine Praxis auf die Beine stellte und bekannt machte. Wenn du also nicht zu denen gehörst, die sich gerne in den Communitys auf Facebook, Instagram und TikTok tummeln, kannst du beruhigt sein: Networking kann auch anders funktionieren und für den nötigen Erfolg sorgen.
Kevins Empfehlung ist, mit einer Mentalität der Fülle an die Sache heranzugehen. Allein damit man nicht aus Verzweiflung alle Klient:innen annimmt, die sich melden. Er schreibt:
„Wir werden noch viele Jahre mit den Auswirkungen der Pandemie beschäftigt sein und eine Psychotherapie zu machen, wird in der Gesellschaft immer anerkannter. Nimm nicht jede:n Klient:in an, nur weil du das Geld brauchst. Das kann nicht gut gehen. Mache dir stattdessen bewusst, was du zu bieten hast und deine Praxis wird immer besser laufen.“
Mein Fazit daraus: Es macht keinen Sinn, Klient:innen anzunehmen, deren Probleme nicht zu deinen Kompetenzen passen. Und schraube deine Honorare nicht zu weit runter, um möglichst schnell viele Klient:innen zu bekommen. Du bist dein Honorar wert! Jeden einzelnen Euro.
4. Netzwerken und Weiterbildung
Netzwerken lohnt sich, und zwar sowohl online als auch offline. Denn Netzwerken eröffnet Chancen und Möglichkeiten zur Weiterbildung. Communitys für Mental-Health-Experten unterstützen einander nicht nur dabei, neue Methoden, Techniken und Tools kennenzulernen und immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Sie helfen auch dabei, dass neue Praxen schneller erfolgreich werden. Denn wenn du in einer Community aktiv und bekannt bist, wirst du bestimmt von Kolleg:innen weiterempfohlen. Und das bringt dir neue Klient:innen.
Aller Anfang ist schwer? Wenn du nicht weißt, wie du am besten in so eine Community einsteigen sollst, dann melde dich erstmal für eine Konferenz oder Weiterbildung an, die dich interessiert. So lernst du was Neues und knüpfst leichter Kontakte.
Getestet und für gut befunden sind z. B. The Brief Therapy Conference und Insight Conference. Aber es gibt natürlich auch etliche lokale und kostenlose Möglichkeiten, dich einer Community anzuschließen und dort die Werbetrommel für deine Praxis zu rühren.
Ich selbst richte z. B. eine unkomplizierte professionelle Online-Supervisionsgruppe aus, bei der sich jeweils 10-12 Berater:innen aus aller Welt treffen und einen klinischen Fall oder ein relevantes Thema vornehmen. Fragst du dich, wie dir das helfen soll, neue Klient:innen zu gewinnen? Ich bin überzeugt, dass Kolleg:innen, die sich einbringen und sich mit anderen Mental-Health-Experten vernetzen, häufiger weiterempfohlen werden. Denn je mehr du mit anderen Berater:innen, Therapeut:innen und Coaches sprichst, desto eher denken sie an dich, wenn sie selbst mal einen oder eine Klient:in ablehnen und weitervermitteln müssen.

5. Registriere dich bei EAPs oder Vereinigungen
Kevin und Valentina empfehlen beide, dich Vereinigungen oder Programmen wie EAP (Employee Assistance Programme) anzuschließen. Letztere bieten Beratungsleistungen für Arbeitnehmer an und können laut Kevin das Rückgrat einer erfolgreichen psychologischen Praxis sein. Einfach weil hierüber ein regelmäßiger Strom von Klient:innen und damit Einkommen generiert wird. Dabei sollte dir allerdings klar sein, dass die Honorare oftmals etwas geringer sind als die, die du normalerweise für eine Privatleistung abrechnen kannst. Das ist der Preis, den man für die einfachere Vermittlung zahlen muss. Wir bei It‘s Complicated haben übrigens auch ein EAP-Netzwerk von Therapeut:innen. Wenn du Interesse daran hast und gerne mit Unternehmen und ihren Mitarbeitenden zusammenarbeiten möchtest, melde dich bei uns.
6. Einsatz für mehr Umsatz
Zum Schluss möchte ich das Thema Authentizität noch einmal aufgreifen – diesmal aus dem Blickwinkel der Werte-Kongruenz. Bei den Therapeut:innen, die eine erfolgreiche Privatpraxis aufgebaut haben, fällt nämlich auf, dass ihre Authentizität auf klaren persönlichen Werten beruht. Ihre beruflichen Entscheidungen stehen im Einklang mit diesen Werten und verleihen ihrer Arbeit Substanz und Orientierung.
Ich habe Valentina gefragt, wie sie es geschafft hat, ihre Praxis so nah an ihren Werten auszurichten. Sie meint:
„Viele Klient:innen haben mir gesagt, dass sie noch nie bei einem oder einer Therapeut:in waren, die sofort verstanden hat, was es heißt nichtbinär zu sein und Pronomen wie „they“, „dey“ oder „xier“ zu verwenden. Auch dass ich viel über Sexarbeit weiß und eine feministische und intersektionale Perspektive vertrete, ist hilfreich. Ich finde das ganz schön schockierend, aber so scheint es nun mal zu sein. Die Psychologie war historisch so eng mit patriarchalen Ideen einer „Normalität“ verbunden. Ganz zu schweigen von der Vorstellung einer weißen Vorherrschaft. Da ist es kein Wunder, dass diese Ansichten auch in akademischen Lehrplänen, Kliniken und sonstigen therapeutischen Arbeitsbereichen stark verwurzelt sind. Ich arbeite aktiv gegen solche Strukturen. Mit meinem multidisziplinären Ansatz prüfe ich mich selbst auch regelmäßig auf Vorurteile und Unwissen. Ich arbeite mit meinen Klient:innen stets auf Augenhöhe, bin freundlich, locker und politisch bewusst. Ich denke, diese Haltung ist besonders ansprechend. Insbesondere in einer Zeit, in der wir merken, welche Auswirkungen Politik auf unser persönliches Leben wirklich hat. Die Revolution, für die ich kämpfe, beginnt mit jeder oder jedem einzelnen von uns. Ich finde es toll, dass so viele Menschen aus genau diesen Gründen Therapien machen und so Veränderungen anstoßen. Wir alle sind auf der Reise hin zu mehr persönlichem Wohlbefinden und müssen dafür traditionelle, unterdrückende Vorstellungen ablegen. Nur so erreichen wir die Befreiung unseres Selbst.“
Ich persönlich bin ebenfalls davon überzeugt, dass Themen und Anliegen, die dir wichtig sind, in deine Arbeit einfließen dürfen und sogar sollten. Egal ob du ein leidenschaftliches Interesse an politischem Aktivismus, Literatur, Clubkultur, Elternschaft, Klimawandel oder sonst welchen Themen hast. Wenn du deine Praxis auf Säulen stellst, die mit deinen Werten übereinstimmen und dich begeistern, wirst du Klient:innen erreichen, die wirklich zu dir und deinen Fähigkeiten passen.

Für die Suche nach neuen passenden Klient:innen findest du in unserem Arbeitsbuch für Therapeut:innen praktische Tipps von erfahrenen Kolleg:innen. In unserem kostenlosen Leitfaden zeigen wir dir, wie du deine Nische findest, ein starkes Netzwerk aufbaust, deine Praxis an deinen Werten und Stärken ausrichtest und vieles mehr. Du kannst es jetzt downloaden – für einen sicheren Start in die Zukunft.