Unser Guide – Mit diesen Fragen findest du deinen Therapieplatz
Diese Frage stellen sich im Moment wohl alle: wie um alles in der Welt finde ich den richtigen oder die richtige Therapeut:in? Die Arbeit als Therapeut:in kann ebenso kompliziert wie erfüllend sein. Gerade Anfänger sind aber oft noch unerfahren in der Zusammenarbeit mit Menschen und es gibt vieles, was man nicht vorhersehen oder kontrollieren kann. Außerdem wissen viele Klient:innen gar nicht so genau, was sie suchen und was überhaupt ihr größtes Problem ist. Therapie ist eben Arbeit!
Ich bin klinische Psychologin und arbeite mit Kolleg:innen in einer Therapeut:innen-Community in Berlin zusammen. Da sollte man doch meinen, dass ich mich super leicht in diesem Dschungel der Anbieter für psychische Gesundheit zurechtfinden sollte, oder? Aber das ist nicht so! Selbst mir bereitet es manchmal Kopfzerbrechen, wenn ich daran denke, wie Menschen mit Psycholog:innen, Coaches und/oder Berater:innen zusammenfinden sollen, die genau zu ihren Bedürfnissen und Anforderungen passen.
Was es so schwierig macht, den oder die richtige Therapeut:in zu finden? Es müssen einfach so viele Faktoren stimmen! Du suchst vielleicht jemanden einer bestimmten Fachrichtung. Oder der oder die Person sollte deine Sprache sprechen. Oder dir ist die persönliche Art wichtig, das Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit, der Preis, bestimmte Spezialgebiete oder du suchst eine:n Therapeut:in mit Kassensitz, damit du die Therapie über deine Krankenversicherung abrechnen kannst.
Und dann müssen eure Terminkalender auch noch zueinander passen und die Praxis sollte nicht zu weit weg sein. (Es sei denn du entscheidest dich für eine Online-Therapie.)
Ich will dir keine Angst machen. Ich erzähle dir all das, weil ich möchte, dass du weißt, warum es dir so schwer fällt, jemanden zu finden und dass es gute Gründe dafür gibt. Außerdem möchte ich natürlich, dass du weiter liest und in meinem Leitfaden viele Informationen findest, die dich inspirieren und die dir bei der Wahl helfen.
Auch wenn das alles super kompliziert erscheint, kann ich dir Mut machen. Es gibt eine Reihe von Fragen, die dir helfen, einen geeigneten Therapieplatz zu finden. Diese Fragen und weitere oftmals unterschätzte Aspekte findest du im folgenden Artikel.
Du willst jetzt mit der Therapie loslegen? Dann lass uns gemeinsam anschauen, was dir bei der Suche nach einem passenden Therapieplatz helfen kann.
Der Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie liegt im Zwischenmenschlichen
Etliche Studien belegen es: Die Beziehung zwischen Therapeut:in und Klient:in ist ausschlaggebend für den Erfolg jeder Therapie. Diese Beziehung wird oft als therapeutische Allianz bezeichnet. Sie umfasst nicht nur die therapeutischen Ziele und Methoden, sondern auch die Bindung zwischen Therapeut:in und Klient:in. Du fragst dich jetzt vielleicht, was unter Bindung genau zu verstehen ist. In der Psychologie geht es hier um gegenseitige Sympathie, eine von beiden als gut befundende Kommunikation und die beiderseitige Bereitschaft zusammenzuarbeiten. Aus der Perspektive der Klient:innen heißt das so etwas wie: „Mein:e Therapeut:in versteht mich und ich fühle mich gut aufgehoben.“ und Therapeut:innen sagen: „Ich arbeite gerne mit diesem oder dieser Klient:in zusammen“.
Es gibt etliche Studien, die sich mit den Auswirkungen der therapeutischen Beziehungen auf die Therapieergebnisse beschäftigen und belegen, dass eine positive Allianz tatsächlich mit einem Therapieerfolg in Verbindung steht.
Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, die richtige Person für deine Therapie auszuwählen. Du kannst für die Suche Verzeichnisse durchgehen, Freund:innen, deine:n Arzt oder Ärztin oder in einer örtlichen Selbsthilfegruppe fragen und dir Kontakte heraussuchen. Du hast übrigens das Recht verschiedene Therapeut:innen auszuprobieren. Alle Therapeut:innen bieten sogenannte probatorische Sitzungen an, bei denen es erstmal um ein Kennenlernen geht. Es gibt sogar Anbieter:innen, die für diese Sitzungen einen Rabatt einräumen oder diese gar kostenlos anbieten. Während der ersten Sitzung erhältst du meist schon einen Vorgeschmack darauf, wie die Beziehung zwischen euch aussehen könnte.
Manchmal dauert es etwas und du musst mehrere Sitzungen bei verschiedenen Therapeut:innen buchen, bevor du dein Match findest. Denke immer daran: du darfst bei der ersten Sitzung alle Fragen stellen, die dir wichtig sind. Und du bist nicht verpflichtet, weitere Sitzungen bei einer Person zu buchen, wenn sie dir nicht zusagt.
Kriterien, die du bei der Auswahl eines oder einer Therapeut:in beachten solltest
Bevor du die erste Sitzung mit einem oder einer Therapeut:in buchst, solltest du dir überlegen, was dir bei der Therapie wichtig ist. Auf welche Eigenschaften legst du Wert?
Sind dir beispielsweise Dinge wichtig wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Sprachkenntnisse, sexuelle Orientierung, Ausbildung oder andere Eigenschaften? Vielleicht weißt du einfach, dass du besser mit einer Frau klar kämst oder mit jemandem, der einen ähnlichen kulturellen Background hat wie du. Oder du suchst jemanden, mit dem du in deiner Muttersprache sprechen kannst.
Bevor du deine Suche aber auf diese Eigenschaften einschränkst, schauen wir uns die wichtigsten mal genauer an.
1. Alter. „Ich möchte eine:n Therapeut:in, der oder die ganz jung ist.” Das sagen wahrscheinlich die wenigsten. Und aus gutem Grund, möchte man meinen. Weil wir oft glauben, dass Alter mit Weisheit einhergeht. Aber das stimmt so nicht immer. Mitgefühlsmüdigkeit, Burnout oder wenig Interesse an neuen Trends in der Psychologie sind Risiken, die bei älteren Therapeut:innen häufiger auftreten können. Aber natürlich hängt das Thema auch immer von deinem eigenen Alter ab. Wenn du 60 Jahre alt bist, wirst du wahrscheinlich nicht so gerne mit jemandem arbeiten wollen, der erst 29 ist. Aber mit 50 ist das wahrscheinlich anders. Und mit 20 erscheint dir ein:e Therapeut:in, der oder die 29 ist, womöglich schon sehr reif. Übrigens gibt es auch viele, die mit Therapeut:innen arbeiten, die noch in der Ausbildung sind und die durch eine sehr regelmäßige Supervision begleitet werden. Wie sagt man so schön? Zwei Köpfe denken besser als einer.
2. Geschlecht. Das ist in der Regel ein Kriterium, das den meisten Menschen wichtig ist. Du kannst natürlich danach gehen und dir eine:n Therapeut:in suchen, der oder die das Geschlecht hat, das dir lieber ist. Aber manchmal lohnt es sich auch über den Tellerrand hinauszublicken und etwas anderes auszuprobieren. Vielleicht kannst du dir, wenn du z. B. ein Problem mit deiner Mutter hast, nicht vorstellen, mit einer Frau zu arbeiten. Aber vielleicht hat gerade das Vorteile für dich?
3. Sexualität und Ausdruck der Geschlechtsidentität. Wenn du einer sexuellen oder geschlechtlichen Minderheit angehörst (schwul, lesbisch, bisexuell, transsexuell, transgender, intergender etc.) oder wenn du bestimmte sexuelle Vorlieben hast, von denen du annimmst, dass sie eine:n Therapeut:in schockieren könnten, hast du bestimmt schon darüber nachgedacht, wie du dein Match finden kannst. Du brauchst auf jeden Fall jemanden, der nicht über dich urteilt, was natürlich im Idealfall bei allen Therapeut:innen so ist. Aber leider ist das nicht immer der Fall. Brauchst du deswegen aber wirklich unbedingt jemanden, der genauso tickt wie du, oder ist dir nicht auch mit jemandem geholfen, der über die entsprechenden Erfahrungen verfügt? Wenn dir das Thema sehr wichtig ist, dann suche dir jemanden, der oder die ähnliche Erfahrungen wie du gemacht oder schon viel mit dem Thema gearbeitet hat.
4. Ethnische Zugehörigkeit und kultureller Background. Manchmal kann es Sinn machen, jemanden auszuwählen, der einen ähnlichen ethnischen Hintergrund hat wie du. Aber vielleicht gibt es auch andere, die offen für kulturelle Unterschiede sind und sich trotzdem gut in dich hineinversetzen können. Eigentlich sollten alle guten Therapeut:innen über eine gewisse kulturelle Kompetenz verfügen und kulturelle Unterschiede in ihrer Arbeit berücksichtigen. Das bedeutet, dass sie auch kulturelle Prägungen beachten, wenn sie mit Klient:innen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zusammenarbeiten (übrigens auch im Hinblick auf die therapeutische Beziehung sind diese Hintergründe wichtig und sollten von deinem oder deiner Therapeut:in berücksichtigt werden).
Trotzdem ist es natürlich auch total verständlich, wenn du mit jemandem arbeiten möchtest, der oder die einen bestimmten Background hat oder mit Menschen einer bestimmten Minderheit oder Identität arbeitet. Diese Minderheiten oder Identitäten können People of Color, LGBTQ+ und andere sein. Weil diese marginalisierten Gruppen oft vor ganz eigenen Herausforderungen stehen, können sich Therapeut:innen mit einer Spezialisierung oft besser in sie hineinversetzen und sie daher sensibler unterstützen.
Außerdem möchtest du vielleicht mit einem oder einer Therapeut:in zusammenarbeiten, der oder die dir ähnelt und/oder deine Werte teilt. Dir ist wichtig, dass euch die kulturellen Erfahrungen verbinden und du dich verstanden fühlen kannst. In diesem Fall kannst du nach einem oder einer Therapeut:in mit ähnlichen Werten suchen. Oder du fragst beim ersten Gespräch gezielt danach, ob er oder sie Erfahrungen mit Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Backgrounds hat.
5. Spezialisierung. Natürlich leiden viele Leute, die eine Therapie beginnen, unter besonderen Symptomen (z. B. Panikattacken oder Schlafstörungen). Trotzdem gibt es auch Menschen, die einfach „nur“ einen Sinn in ihrem Leben suchen und die Therapie dafür nutzen wollen, ihr Leben zu verändern. Wenn du unter bestimmten Symptomen leidest, frage vorher, ob der oder die Therapeut:in Erfahrungen damit hat.
Symptome wie die genannten sind allerdings oft nur ein Ausdruck eines tieferliegenden Problems, das angegangen werden will. In einer guten Therapie sollten daher sowohl die Behebung der Symptome als auch die Arbeit an dem tatsächlichen Konflikt im Mittelpunkt stehen.
Welche Therapieform ist die Beste für mich?
Bevor du dein Match findest, ist es wichtig, zu wissen, welche die richtige Therapieform für dich ist.
Heute gibt es viele etablierte therapeutische Ansätze, darunter die psychodynamische Psychotherapie, die lösungsorientierte Therapie, kognitive Verhaltenstherapie (CBT), Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), Gestalttherapie und die jungsche Psychoanalyse – um nur einige zu nennen.
Keine Sorge, wenn du noch nicht weißt, welcher Ansatz für dich der Richtige ist. All diese Punkte werden in der ersten Sitzung besprochen. Hier kannst du deine Probleme und Ziele ansprechen und dann könnt ihr gemeinsam schauen, ob der Ansatz passt. Viele Therapeut:innen arbeiten auch „integrativ“ oder „eklektisch“. Das heißt, sie sind in verschiedenen Therapieformen ausgebildet und können diese kombinieren, um bestmöglich auf deine persönlichen Bedürfnisse und Themen einzugehen.
Wenn du noch gar nichts über die verschiedenen Therapieansätze und Methoden weißt, kann es Sinn machen, dich ein bisschen einzulesen und zu schauen, was dir für dich am sinnvollsten erscheint. Du kannst deine Suche dann auf die Therapeut:innen einschränken, die deine gewünschte Therapieform anbieten. Im Folgenden findest du eine kurze Übersicht über die häufigsten Therapieansätze und Methoden und erfährst, welche Therapieform für welche Art der Herausforderung am besten geeignet ist:
Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Diese Therapieform basiert auf der Grundannahme, dass die meisten psychologischen Probleme durch zwei Dinge hervorgerufen werden. 1.) Menschen sind in eigenen Gedankenmustern gefangen und 2.) Menschen haben damit zu kämpfen, unerwünschte Gedanken und Gefühle zu vermeiden oder loszuwerden. Ein:e ACT-Berater:in wird dich also dabei unterstützen, den Kampf aufzugeben oder dich von schwierigen Gedanken und Gefühlen zu distanzieren. Das Ziel ist eine höhere psychologische Flexibilität. Diese gilt als erstrebenswert, weil jeder einzelne Moment gelebt und mit Offenheit und Akzeptanz erfahren wird. Übungen der Achtsamkeit und Handlungswege, die zu deinen Werten passen, werden erarbeitet. Achtsamkeit ist der Schlüssel in der ACT-Therapie.
Kognitive Verhaltenstherapie (CBT). Diese Therapieform konzentriert sich auf das Zusammenspiel von Gedanken, Gefühlen, körperlichen Empfindungen, Verhaltensweisen und dem sozialen Kontext. Zu Beginn liegt der Fokus darauf, die Symptome zu lindern und die mit ihnen verbunden negativen Gedanken, Gefühle, körperlichen Symptome und Handlungen zu erkennen. In weiteren Schritten werden die Gedanken angeschaut und Strategien und Tools entwickelt, die zu den gewünschten Änderungen führen. Während der Therapie kann sich der Fokus auch auf Erfahrungen, Annahmen, Glaubenssätze, Normen und Werte erweitern, die dein Selbstbild und Weltbild geprägt haben.
Während einer kognitiven Verhaltenstherapie wird daran gearbeitet, die Gedanken, Gefühle, körperlichen Wahrnehmungen und Verhaltensweisen zu verändern. Dabei nimmt der oder die Therapeut:in eine aktive Rolle ein und bespricht mit dir Ideen und mögliche Interpretationen. Psychoedukation ist ein wesentlicher Bestandteil der CBT. Dabei informiert der oder die Berater:in z. B. über relevante Forschung zur Problematik und Methoden und Techniken, die helfen, Verhaltensmuster zu ändern.
Gestalttherapie. Dieser Ansatz beruht auf der Erkenntnis, dass du zur Entfaltung deines kreativen Potenzials eine ganzheitliche Sicht auf dich selbst und deine Beziehungen benötigst. Körper, Geist, Emotionen und Umwelt müssen bewusst wahrgenommen werden, damit du dich selbst besser verstehst und entfalten kannst. Dabei kommen verschiedene Methoden wie z.B. Kunst, Bewegung und Übungen im Hier und Jetzt zum Einsatz. Im Mittelpunkt steht dein Wachstum: im Miteinander, im Umgang mit dir selbst und in deinen Beziehungen.
Jungsche Psychoanalyse. Eine jungsche Analyse beinhaltet eine tiefere Erkundung deines Gemüts mit einem Fokus auf das Unbewusste. Diese Methode kann für Menschen hilfreich sein, die unter traumatischen Erlebnissen in der Kindheit leiden, eine existenzielle Krise durchleben und/oder kreative Blockaden verspüren. Traumarbeit, spielerische Elemente und aktive Imagination sind wichtige Techniken, die zum Einsatz kommen. Der Fokus liegt auch auf dem, was im Raum geschieht – also in der Beziehung und Dynamik zwischen Klient:in und Analyst:in. Der Prozess wird oft als eine Art tiefgehende Lebensmeditation in Begleitung des Analytikers oder der Analytikerin erlebt. Eine jungsche Analyse umfasst in der Regel 1–2 Sitzungen pro Woche und dauert häufig länger als ein Jahr.
Psychoanalyse. Die Psychoanalyse ist ein theoretisches und praktisches Konzept, das sich seit über einem Jahrhundert in verschiedene Richtungen entwickelt hat. Zu den Grundannahmen zählt unter anderem die Erkenntnis, dass wir unsere eigenen Motive nicht immer kennen oder verstehen, dass wir schmerzhafte Gefühle vermeiden, dass unsere Wünsche oft miteinander in Konflikt stehen und dass wir Teile unserer Fantasien mit der Realität verwechseln können. Hinzu kommt die Annahme, dass unsere Handlungen, unsere Sprache und unsere Träume oft mehr mitteilen, als uns bewusst ist.
Eine klinische Psychoanalyse besteht oft aus mehreren Sitzungen pro Woche, über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Hierbei kommt eine Technik zum Tragen, die sich freie Assoziation nennt und bei der einfach alles ungefiltert ausgesprochen wird, was einem durch den Kopf geht. Der oder die Analyst:in hört in erster Linie offen und neugierig dabei zu und erlangt so nach und nach ein Verständnis darüber, was dich als Person prägte und welche Rolle das Gesagte bei deinen Schwierigkeiten spielt. So erreichst du mehr emotionale Reife und bist in der Lage, Charakterveränderungen und tiefgreifende Transformationen der Persönlichkeit zu erzielen.
Psychodynamische Psychotherapie. Bei diesem Ansatz (der auf der traditionellen Psychoanalyse basiert) unterstützt der oder die Berater:in dich als Klient:in bei alltäglichen Problemen. Gemeinsam erkundet ihr, wie diese aus vergangenen Ereignissen und Beziehungen entstehen konnten. Zum Beispiel können frühkindliche Erfahrungen Gedanken-, Gefühls- und Handlungsmuster bedingen, die sich im weiteren Leben fortsetzen und nur aufgebrochen werden können, wenn man sie sich bewusst macht.
Viele dieser immer wiederkehrenden Muster entstanden in Situationen, in denen es darum ging, zu überleben oder Probleme zu bewältigen. Sie waren vielleicht in der Situation selbst hilfreich, halten dich als Person heute aber von einer gesunden Weiterentwicklung ab. Gemeinsam arbeitest du mit dem oder der Therapeut:in daran, diese Muster im täglichen Leben (Familie, Arbeit, Beziehungen) zu erkennen und zu verändern. Auch die Beziehung zum oder zur Therapeut:in wird dabei betrachtet, um zu erkennen, ob es Ähnlichkeiten zu anderen Beziehungen gibt. Ein wichtiges Instrument ist die sogenannte „Übertragung“, bei der zum Beispiel Gefühle gegenüber einem Elternteil auf den oder die Therapeut:in projiziert werden. Dies kann aufzeigen, wie frühere Beziehungen die aktuellen beeinflussen. Im weiteren Verlauf könnt ihr gemeinsam daran arbeiten, diese Beziehungsmuster so zu verändern, dass sie gesünder und förderlicher für deine Entwicklung sind.
Lösungsorientierte Therapie. Hierbei handelt es sich um eine Therapieform, die eher für kurze Zeiträume gedacht ist und bei der es um eine Lösungsfindung für ein aktuelles und konkretes Problem geht. Der oder die Therapeut:in wird dir dabei helfen, herauszufinden, welches dein bestes Selbst ist, um dein Leben so zu leben, dass du dich darin wohl fühlst. Diese Art der Therapie richtet sich an Menschen, die sich eine schnelle Veränderung wünschen und die die Therapie als Tool ansehen, ihr Leben positiv zu verändern. Die Grundannahme ist: Jeder Mensch weiß im Grunde, was er braucht, um sein Leben zu verbessern – und kann mit der richtigen Unterstützung und gezielten Fragen die passende Lösung für sich finden.
Und? Welche Therapieform ist jetzt die Beste für dich? Das können wir dir leider nicht sagen. Du wirst selbst entscheiden müssen, welche zu dir passt. Du kannst aber natürlich auch verschiedene ausprobieren und schauen, was für dich am besten funktioniert. Einen oder eine Therapeut:in zu finden, ist eine sehr persönliche Sache, die Zeit in Anspruch nehmen kann.
Woher weiß ich, dass ich mein Match gefunden habe?
Wenn du deine Suche eingeschränkt hast und weißt, welche Therapieform am besten passen würde, kannst du anfangen, die ersten Termine zu vereinbaren. Bereite dich auf das erste Treffen gut vor und versuche Fragen zu klären, auf die auf der jeweiligen Website nicht eingegangen wird. Hat der oder die Therapeut:in die nötige Erfahrung mit deiner Thematik? Kennt er oder sie sich mit deinem kulturellen Background aus?
Diese Fragen sollte dir ein:e Therapeut:in gerne beantworten. Außerdem bekommst du bei einem Treffen ein gutes Gespür dafür, ob du dich mit der Person wohl fühlst. Das ist wahrscheinlich das wichtigste Kriterium bei der Auswahl. Vertraue auf dein Bauchgefühl und frage dich, ob du dir vorstellen kannst, dich dieser Person gegenüber zu öffnen. Wenn die Antwort ja ist, ist das eine gute Grundlage.
Kleiner Tipp: Stelle dir diese Frage immer mal wieder, selbst wenn du dich schon für jemanden entschieden hast und ihr bereits eine Weile zusammengearbeitet habt. Im Normalfall sollten dir die beiden folgenden Fragen bei der Auswahl helfen:
1. Fühle ich mich bei dem oder der Therapeut:in wohl?
2. Mache ich durch die Therapie Fortschritte?
Es kann passieren, dass sich nach einigen Sitzungen nichts verändert und du das Gefühl hast, dass die Bindung zwischen euch fehlt. Sprich das auf jeden Fall an. Dann könnt ihr gemeinsam schauen, was helfen und wie es weitergehen könnte. Wenn du sehr unsicher bist oder du dich nicht gut fühlst, kannst du versuchen, eine:n andere:n Therapeut:in zu finden, der oder die besser zu dir passt.
Bedenke aber, dass es manchmal, vor allem bei längeren Prozessen, auch normal sein kann, negative Gefühle gegenüber dem oder der Therapeut:in zu haben. Es kann passieren, dass im Laufe einer Sitzung oder Therapie unangenehme Emotionen aufkommen, die sich anfühlen, als würde das Verständnis deines Gegenübers fehlen. Das kann aber gerade bei längeren Therapien auch bedeuten, dass etwas angetriggert wurde, das mit deiner Vergangenheit zu tun hat und was du jetzt auf den oder die Therapeut:in projizierst. Das geschieht insbesondere in der Psychoanalyse oder bei psychodynamischen Ansätzen häufiger und wird hier sogar aktiv hervorgerufen. Das Konzept nennt sich Übertragung und soll dich von alten Verhaltensmustern befreien, mit denen du dich selbst sabotierst und dir das Leben schwer machst. Wenn du dich in der Therapie unwohl fühlst, solltest du das aber auf jeden Fall ansprechen.
Eine Therapie muss gut organisiert sein
Eine Therapie kostet Zeit und Geld. Darum solltest du bei der Suche nach dem geeigneten Therapieplatz einige Dinge berücksichtigen.
Hier sind ein paar davon:
Timing. Welche Wochentage und Zeiten kannst du für deine Therapie freiräumen? Eine Therapiesitzung dauert in der Regel 50 Minuten und die meisten finden wöchentlich statt. Es gibt aber auch Therapien mit mehreren Sitzungen pro Woche oder im zwei- oder mehrwöchigen Rhythmus. Wenn du nicht so viel Zeit hast, kannst du nach Therapeut:innen suchen, die abends, an Wochenenden oder zu sonstigen Zeiten verfügbar sind. Oder du fragst direkt nach den Terminen, die du noch frei hast. Sprich aus, was du brauchst. Denn eine Therapie, die zu deinem Leben passt, hilft dir dranzubleiben – ohne Druck, ohne Überforderung..
Ort. Vergiss nicht, dass auch die Hin- und Rückwege Zeit in Anspruch nehmen. Suche dir daher, wenn möglich, eine Praxis, die in deiner Nähe oder in der Nähe deines Arbeitsplatzes liegt. Es gibt auch Anbieter, die Online-Therapien ermöglichen. Vielleicht wäre auch das eine Idee?
Versicherungen. Willst du deine Therapie über die Krankenkasse abrechnen lassen oder kannst du deine Suche auch auf private Praxen erweitern? Klar ist eine Psychotherapie über die Krankenkasse günstiger für dich, aber Suche und Wartezeiten können sehr langwierig sein. In Deutschland können alle, die in einer gesetzlichen Krankenkasse (wie der TK oder AOK) versichert sind, ihre Psychotherapie über die Krankenkasse abrechnen lassen. Dafür brauchst du aber eine:n sogenannte:n psychologische:n Psychotherapeut:in mit einer Kassenzulassung und einem Kassensitz. In diesen Praxen gibt es oft Wartelisten von 3-6 Monaten und du kannst dir die Therapieform nicht unbedingt aussuchen (die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland zahlen nur für die psychodynamische Psychotherapie, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie). Darum kann es Sinn machen, nach einer Privatpraxis ohne Kassenzulassung zu suchen. So kannst du auch schneller beginnen. Weitere Pluspunkte für eine Selbstzahler-Therapie sind die Anonymität (es werden keine persönlichen Daten oder Diagnosen an irgendwelche offizielle Stellen weitergegeben), weniger Bürokratie (keine aufwändige Antragsstellung bei der Krankenkasse) und die freie Wahl, die sich nicht nur auf die therapeutischen Methoden, sondern auch auf Dauer, Standort, Sprache etc. bezieht.
Preis. Zu Beginn musst du dir natürlich Gedanken machen, wie groß dein Budget für eine Therapie sein soll. Es gibt Therapeut:innen, die gestaffelte Gebührensätze für Arbeitssuchende und/oder Studierende anbieten. Frage zu Beginn nach flexiblen Honoraren und wie hoch die Kosten für dich sein werden. Die Bezahlung erfolgt entweder vor oder nach der Sitzung oder per Überweisung zum Monatsende.
Jede Suche gestaltet sich anders. Aber wenn du diese Punkte berücksichtigst, kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen und du findest dein Match. Denn genau darum geht es ja: dass du jemanden findest, der oder die zu dir passt! Und das muss jemand sein, dem du zu einhundert Prozent vertrauen kannst. Denn diese Person begleitet dich auf einem Abschnitt deiner Reise, bei dem es um einige der sensibelsten Kapitel deines Lebens geht.
Wenn dir bei der Suche etwas auffällt, was ich in diesem Artikel nicht erwähnt habe, dann hinterlass gerne einen Kommentar oder schreib mir an johanne@complicated.life. Melde dich jetzt auf www.complicated.life an und finde den oder die Therapeut:in, mit der oder dem einfach alles passt!