Österreich finanziert einen guten Teil der Psychotherapie, allerdings über einen Weg, den man leicht missversteht. Die Krankenkasse hat keine eigenen Therapeut:innen. Die ÖGK hat überhaupt keine Verträge mit einzelnen Psychotherapeut:innen. Stattdessen schließt sie Verträge mit Vereinen, die die voll finanzierten Plätze halten und vergeben. Wer in Wien eine:n kassenfinanzierte:n Therapeut:in sucht, braucht also eigentlich einen Platz bei einem Verein.
In Wien sind das vor allem die Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung (WGPV) und der Verein für ambulante Psychotherapie (VAP), dazu mehrere Vertragsinstitute und Ambulanzen. Eine Überweisung brauchst du nicht. Du musst versichert sein und dort anrufen. Ein voll finanzierter Platz kostet dich nichts. Das Problem: Die Plätze sind kontingentiert, und es gibt nicht genug davon.
Der andere Weg: Du gehst zu einer:m Therapeut:in in freier Praxis, bezahlst selbst und holst dir einen Teil davon zurück. Die ÖGK erstattet 33,70 € für eine 60-minütige Einzelsitzung. BVAEB und SVS, die Versicherungsträger für öffentlich Bedienstete und Selbstständige, erstatten für dieselbe Sitzung rund 50 €. Bei BVAEB oder SVS bekommst du also rund die Hälfte mehr zurück als bei der ÖGK. Vor der zweiten Sitzung muss eine Ärztin oder ein Arzt bestätigen, dass keine körperliche Ursache vorliegt, und ab der elften Sitzung muss die Kasse die Fortsetzung bewilligen.
Der Grund für die Therapie muss eine diagnostizierbare Erkrankung sein. Die ÖGK sagt klar, dass sie keine Beratung bei schulischen, familiären oder beruflichen Problemen bezahlt. Das heißt: Ein guter Teil der Paartherapie und Lebensberatung wird komplett privat bezahlt.
Auf It's Complicated gibt es keinen Verein, den du anrufen musst, keine Warteschlange und keine Diagnose als Voraussetzung. Du wählst selbst, mit wem du arbeitest, und vereinbarst alles direkt miteinander. Wenn du auf Englisch arbeiten möchtest oder an etwas, das die Kasse nicht als Krankheit wertet, ist das der besser planbare Weg.
Psychotherapeut:in ist in Österreich ein geschützter Titel, und alle, die ihn führen, stehen in einem öffentlichen Register des Gesundheitsministeriums. Klinische:r Psycholog:in ist separat geschützt und hat ein eigenes Register. Lebens- und Sozialberater:in ist ein Gewerbe und kein Gesundheitsberuf, und Psychotherapie ist ausdrücklich davon ausgenommen. Ein:e Psychiater:in ist Ärzt:in und kann Medikamente verschreiben.